Bericht 2

Die CoreDynamik-Ausbildung zählt zweifellos zu den Höhepunkten meines bisherigen Lebens. Sie hat für mich sehr bedeutsame Phasen und Weichenstellungen sowohl flankiert als auch initiiert.

Ich bin heute ein anderer Mensch als vor drei Jahren. Meine Selbstwahrnehmung und mein Lebensgefühl haben sich verändert, und ich bin sicher, dass dies ohne die CoreDynamik nicht so geschehen wäre.

Als ich mit der Ausbildung begann, steckte ich in einer schwierigen Phase meines Lebens. Ich hatte ein halbes Jahr zuvor freiwillig den sicheren Job ….an den Nagel gehängt, um mehr persönliche Freiheiten in meiner beruflichen Existenz zu suchen.

Das Angebot, an der CoreDynamik-Ausbildung teilzunehmen, erschien mir zunächst als rein berufliche Entwicklungsperspektive. Ich empfand die Aussicht, einmal als Trainer arbeiten zu können,

Mir wurde sehr schnell klar, dass es hier um mehr ging als um eine rein berufliche Zusatzqualifikation.

Es ging vor allem um mich als Mensch, um die Art und Weise, wie ich gestrickt bin, um meine Schwächen und Stärken, kurz: um mein persönliches Sein in dieser Welt. Ich griff die Selbsterfahrungs-Angebote dankbar auf und war zunehmend begierig, mehr über mich zu erfahren.

Neben eher schmerzenden Attributen gab es aber auch die Entdeckung ganz anderer Facetten wie z.B. der Lebenslust, der Freude am Spiel und am (tänzerischen) Selbstausdruck. Diese unbändige Freude am Leben und die Lust an seiner Entfaltung

waren mir in den Jahren zuvor zunehmend aus dem Blickfeld geraten. Ich wusste gar nicht mehr, wie lustvoll Leben sein kann. Diese Qualitäten (in einem geschützten Setting) neu zu erfahren und auszuleben, war ein ganz besonderer Reiz für mich.

Grundsätzlich kann ich somit sagen, dass mir die Ausbildung den ganzen Spannungsbogen meiner Persönlichkeit deutlich vor Augen geführt hat. Ich habe erkannt, dass ich mich aus Licht- und Schattenaspekten zusammensetze.Jedoch blieb es nichtbei dieser reinen Diagnose. Ich durfte erleben, dass ich mehr bin als meine Alltagswahrnehmungen mir vorgaukeln zu sein. Ich habe (vor allem im Kontext von Atemreisen und geführten Meditationen) erfahren, dass es hinter meiner vordergründigen Existenz noch weiter geht und dass ich mich nicht auf mich festschreiben muss, im Sinne von „So bin ich nun mal“. Ich habe erfahren, dass die Wirklichkeit, so wie ich sie zumeist erlebe, relativ ist und sich wandeln kann. Das ist für mich in meiner Dauertendenz eine immer wieder wohltuende Erkenntnis.

Es war ein Genuss, mich unter Ausschaltung des Denkens in einen gegenwärtigen Prozess fallen zu lassen, mich in ihm zu verströmen und völlig selbstvergessen im Augenblick aufzugehen. Ich spürte dann immer den Fluss des puren Lebens, der mich mitreißt und zugleich trägt. Es war für mich die reine Lust, mich mitziehen zu lassen und dabei spontanen inneren Impulsen zu folgen. So musste sich Alexis Sorbas gefühlt haben, eine Romanfigur, die für mich den Inbegriff intensiven Lebens verkörpert. 

Der absolute Höhepunkt der Ausbildung

In enger Verbindung mit dem eben skizzierten Spannungsbogen steht für mich mein persönlicher Höhepunkt der CoreDynamik-Ausbildung. Ich spreche von der Einheit mit der archetypischen Arbeit. Ich bekam damals mit großer Vehemenz die Auseinandersetzung zwischen meinem „Jüngling“ und „Vater“ vor Augen geführt.

Es ist das Drama des Jünglings, der zum Mann werden möchte, es aber aufgrund der väterlichen Härte nicht vermag. Ich erlebte meine unter 1. beschriebenen Ängste, Anpassungs- und Konfliktvermeidungstendenzen und die damit einhergehenden Schuldgefühle bei „Grenzüberschreitungen“ als unterdrückten Energiefluss gegenüber einer tabuisierenden  (Eltern-)Instanz („Vater“), deren Tabu unhinterfragt gilt. Der ursprüngliche (wilde, ungezähmte und zugleich in sich ruhende) Mann war auf eine Gefängnisinsel verbannt, deren Wärter ein übermächtiger Vater ist.

Mich durchfährt es noch heute am ganzen Körper, wenn ich an das Szenario zurückdenke. Es wurde für mich zum Schlüssel für das Verständnis meiner grundlegenden Verhaltensmuster.

Dazu kommt die Erfahrung, dass das Leben jenseits meiner eigenen mentalen Horizonte und Programmierungen weitergeht, dass das befürchtete „Ende der Welt“ immer nur das Ende meiner bisherigen Welt ist, hinter der sich das Leben auf neue Weise fortsetzt. Diese Einsicht in das Leben nach dem Tod habe ich zum ersten Mal sehr nachdrücklich während des Musik-Seminars gewonnen.

Dass die ersehnte Metamorphose hin zu einer neuen Facette meines Selbst, nämlich der lange unterdrückten Mann-Qualität, bereits im Gang ist, spüre ich immer wieder. Und so bin ich weiter auf dem Weg vom „Everybody’s darling“ in das verantwortliche

Bewusstsein meiner eigenen Kraft und Energie. In dieser Hinsicht konnte ich in weiteren CoreDynamik-Ausbildungseinheiten wertvolle Erfahrungen sammeln, so z.B. die eigene Lust an der Rangelei und am Kräftemessen mit anderen männlichen Teilnehmern. Ich spürte und spüre, dass es wichtig ist, ein wirkliches Gegenüber zu haben und dass echtes persönliches Wachstum gar nicht ohne ein solches auskommt. Ich stelle fest, dass Kämpfen auch etwas Lustvolles hat, und das meine Überzeugung, kämpfen sei nur schlecht, ein Introjekt meines „Vaters“ ist, das ihm den „Mann“ in mir vom Leib halten soll.

Das coredynamische Familienstellen

Die Ausführungen über meine „archetypische Familiebande“ blieben unvollständig ohne einen weiter erhellenden Input aus der Ausbildungseinheit zum Thema „Familienstellen“ zu erwähnen. (Es ist in diesem Zusammenhang Zeit zu bemerken, dass für mein Empfinden die verschiedenen Ausbildungseinheiten letztlich gewissermaßen einen roten Faden meiner Persönlichkeit aufgegriffen haben und ihn über die Monate hinweg weiterentwickelten.)

Während des Seminars kam ich überdies zum erstenmal sehr eindrücklich mit meiner inneren natürlichen Würde und Autorität in Kontakt.

Die Zukunft als nicht-lineare Fortsetzung der Vergangenheit
Ein weiteres Highlight der CoreDynamik-Ausbildung war für mich das Seminar über Geburt und Tod. Dort kam ich zu der mich stark ermutigenden Erkenntnis, dass meine zweite Lebenshälfte vermutlich reicher und erfüllter sein wird als die erste, welche stark
vom Suchen, von mangelnder Orientierung und Verletzlichkeit geprägt war. Ich stell(t)e mit Freude fest, dass ich ein Mensch der zweiten Lebenshälfte bin, dem der Genuss von Fülle und Entfaltung noch bevorsteht.

Ich „schaute“ in diesem Seminar, dass ich meinem Ziel, die eigene Mitte zu spüren und aus ihr heraus zu handeln, näher komme. Ebenso wurde mir deutlich, dass wenn ich in meiner Mitte bin, im Außen geschehen kann, was will, ich kraftvoll in mir ruhe und eine heilsame Distanz zu meiner Umgebung habe.

Die Blumen im Garten meines Lebensgebäudes

a. Ich durfte erfahren und lernen, dass sich mein Wirklichkeitshorizont vergrößert, wenn es meinem Verstand gelingt, das Werten und Urteilen zu unterlassen. Auf einmal erscheinen sehr viel mehr Lebensfacetten möglich und akzeptabel. In diesen Zusammenhang passt sehr schön die heilende Qualität des „und“.

b. Es gibt kein ewiges und allgemein gültiges Richtig oder Falsch. Alles fließt, ist eine Annäherung, ein Spiel, ein Tanz mit stets variablen Richtungen. Da jede Existenz kontextgebunden ist, kann sie sich wandeln, sofern die inneren und äußeren Voraussetzungen dafür gegeben sind.

c. Das Leben ist letztlich so bunt, vielschichtig und komplex, dass ein Schwarzweiß-Denken ihm nicht gerecht werden kann. Es bedeutet eine radikale Verkürzung der Lebensmöglichkeiten.

Eine weitere sehr wichtige und wiederkehrende Erfahrung war für mich das Gehaltensein im Fallen. Ich habe die Erkenntnis gewonnen, dass ich, wenn ich die Kontrolle durch meinen Verstand loslasse, nicht zerfalle oder ins bodenlose Chaos stürze, sondern auf wunderbare Weise getragen bin und meine Füße sogar in einen weiteren Raum gestellt werden. Ich fühlte mich dann oft wie die Goldmarie aus „Frau Holle“, die in den Brunnen springen muss, um eine Spule wieder herauszuholen. Am Grund des Brunnens versinkt sie jedoch nicht im Schlamm, sondern eine Wiese tut sich auf und ein Weg, alles in allem eine wunderschöne Landschaft.

Überaus beeindruckend war die überwältigende Erfahrung, dass meine körperliche Existenz in letzter Instanz eine Manifestation des einen allumfassenden reinen Geistes ist und ich damit ein individueller Ausdruck der göttlichen Potenz bin. Das heißt, mein Sein in der Welt ist per-sona, etwas, durch das Gott in meiner Gestalt durchscheint. Mein Sein in der Welt ist demzufolge nur äußerlich, und hinter meiner Oberfläche reichen meine Wurzeln tief in das göttliche Sein hinein. Biblisch ausgedrückt bin ich der ICH BIN. Die Konsequenz meiner Verwurzelung in Gott ist jener Satz, den ich im Rahmen der CoreDynamik mehr als nur einmal gehört habe: Es ist alles da, und alles ist in mir. Die Fülle des göttlichen Seins steht mir zur Verfügung, wenn ich mich ihr öffne und mich (z.B. durch Meditationspraktiken) in sie eintauche. Auf diese Weise kann dann auch Wandlung geschehen, nicht weil ich sie mit verstandesgemäßer Brachialgewalt selbst erzwingen will,
sondern weil sie sich durch den verstärkten „Erguss“ Gottes in mich auf harmonische Weise von allein vollzieht.





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