Zusammenfassende Selbsteinschätzung
Das Thema, das mich seit Ausbildungsbeginn begleitet, ist das Thema: „Ich will leben.“
Leben, bevor ich sterbe. Von ganzem Herzen leben.
Folgendes Zitat dient/-e mir hierzu als Anker:
„Vor dem Ende sprach Rabbi Sussja: ´In der kommenden Welt wird man nicht fragen:
´Warum bist du nicht Moses gewesen?´ Man wird mich fragen: ´Warum bist du nicht
Sussja gewesen?´“
Ich habe eine große Sehnsucht, wirklich zu leben. Ich will sein. Lebendig sein. K. sein.
Zu Beginn der Ausbildung fühlte ich mich zu einem großen Grad fremd gesteuert und
fremdbestimmt. Der Raum um mich herum war mir zu eng, ich bekam wenig Luft und
fühlte mich emotional und körperlich eingesperrt. Bei der ersten Atemreise in Oberlethe
fragte ich mich: Wo steckt meine Lebensfreude?
In den drei Jahren habe ich gelernt, auf den ersten Blick unangenehme Seiten von mir
anzunehmen und zu integrieren. Erstaunlicherweise habe ich dadurch ein Mehr an
Lebensfreude gewonnen.
Heute fühle ich mich viel lebendiger. Man kann sagen, meine Suche war erfolgreich. Mein
Adler fliegt wieder. Mal stolz und frei in unendlichen Höhen, dann wieder bedrückt in den
Niederungen. Aber, er fliegt. Lebendig sein heißt für mich, alle Gefühle zu spüren. Und,
das tue ich mittlerweile. Selbst Wut! Der Ausdruck all dieser Gefühle, die Heftigkeit und
zuweilen das Durcheinander vieler Gefühle, bereiten mir noch Probleme. Ebenso der
Kampf zwischen der vernunftorientierten K., die es richtig machen will, und der K., der
Weiterentwicklung, Achtsamkeit, Wertschätzung und Toleranz wichtig sind. Ich lebe und
ich folge meiner inneren Wahrheit. Mal erstaunt über meine eigene Größe, mal
verzweifelt. Ich gebe mir selbst Halt und Zuversicht mit der Einstellung: ich gebe mich
demütig dem Leben hin und ich bin Gestalterin meines Lebens.
Wie war mein Prozess? Rückwirkend meine ich, dass es wichtig war, mit meinen tieferen
Gefühlen in Kontakt zu kommen. Insbesondere mit der Wut, die einen großen Teil meiner
Lebensfreude verschüttet hatte. Dabei halfen mir so schreckliche☺ Übungen, wie der
Gefühlsparcours und die Wut-Übung, sowie die Erlaubnis, Kind und damit auch bedürftig
sein zu dürfen. Ich durfte mir holen, was ich brauchte, und ich bekam vom Leitungsteam
und der Gruppe die Unterstützung, die ich brauchte. Anfangs verloren sich die guten
Erfahrungen immer wieder bis ich lernte meinen Körper als Gefäß zu sehen und damit die
Fähigkeit zum „Containen“, zum Halten der guten Erfahrungen/Erlebnisse erlernte.
Die Quintessenz aus dem allen ist: ich lebe und fühle mich lebendig. Und ich gebe mir
das Versprechen, immer wieder mit der Frage nachzuspüren „Was ist jetzt? Was will ich
wirklich?“. Und, ich möchte mir immer mehr gestatten, einfach nur zu sein. So wie ich bin,
so „wie es aus mir heraus leben will“.
Und, dann bleibt noch das Thema Liebe: Wenn ich mich in meiner Begrenztheit so
annehme wie ich bin und die anderen lieben lerne samt ihrer Begrenztheiten, dann fließt
Liebe. Und Liebe beinhaltet das Einverstandensein mit dem, was ist. Ein aktives
Einverstandensein, das Raum öffnet und Lebensfreude ermöglicht.
Ich bin sehr glücklich über meine Entwicklung in den vergangenen drei Jahren. Es war
eine sehr, sehr reiche Zeit für mich und ich habe Momente von tiefster Lebensfreude und
Frieden erlebt. Ich weiß, dass sich mein Prozess, meine Entwicklung nun nicht mehr
aufhalten lässt, und darüber bin ich sehr froh. Was auch immer mir diese Entwicklung
bringen mag, ich möchte offen dafür sein.
Und, ich möchte diesen Raum nutzen, euch zu danken, liebe Ingrid, Sabine, Jürgen
und Bernhard. Für eure Einladung zu sein, den Raum, den ihr gegeben habt, eure
Erlaubnisse, eure Unterstützung und vor allem eure Herzenswärme und Liebe!
Und auch ein herzliches Dankeschön an alle „Gast-Dozenten“, die eine große
Bereicherung waren.