Produktionsfaktor Spiritualität - Die Tiefendimension des Managements

 

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Graue Herren mit steinernen Mienen verfügen an Konferenztischen über »Humanressourcen« wie über Spielsteine in einer Partie Monopoly. In ihrer kalten Welt geht es um Zahlen, um Bilanzen, um »die Sache«. Spiritualität? - ein Freizeitvergnügen gelangweilter, ein bisschen naiver Luxusfrauen ...

Dieses Szenario, wenn es denn jemals der Wirklichkeit entsprach, könnte bald der Vergangenheit angehören. Wenn es nach den Vorstellungen einiger moderner Managementtrainer geht, werden Mitarbeiter und Geschäftspartner künftig nicht mehr nur als »Funktionsträger« betrachtet, sondern als hochenergetische Wesen mit Körper, Geist und Herz. Es geht um die Wiedererschließung der Seele, des Lebendigen und um die Vermelzung uralter schamanischer Fähigkeiten mit neuesten Erkenntnissen in der Menschenführung. Udo Berenbrinker undJenny Karpawitz besuchten den Seefelder Kongress »Soul Management«

In der heutigen wirtschaftlichen Situation mit ihrer schnellen Dynamik und ihren hoch entwickelten Kommunikationstechnologien ist Führung ein sehr vielschichtiger Vorgang geworden. Mit einfachen Lösungen oder wohlfeilen Faustregeln allein kommt man da nicht mehr weiter. Führung in Unternehmen, in Schulen oder sozialen Einrichtungen setzt jedenfalls die Bewältigung einer hohen Komplexität voraus. Neben der immer rascher voranschreitenden Vernetzung unserer Gesellschaft und den rasanten technischen Fortschritten ist dabei vor allem eines zu berücksichtigen:
der Mensch als Träger, Sinn und Zweck der Wirtschaft. Wir Menschen wollen nicht nur an unserer »Benutzeroberfläche« wie ein Apparat bedient, sondern in unseren vielfältigen Tiefendimensionen verstanden und berührt werden.

 


Ohne den Kontakt zum tieferen Sein und Fühlen des Menschen ist jedes ökonomische Handeln davon bedroht, durch die Untiefen des menschlichen Wesens destabilisiert zu werden


Führung mit Substanz

Zunehmend erkennt man heute, dass dies nicht allein eine Frage der Menschlichkeit, sondern auch eine der Wirtschaftlichkeit ist. Ohne den Kontakt zur Substanz, zur Innenwelt, zum tieferen Sein und Fühlen des Menschen ist jedes ökonomische Handeln davon bedroht, durch die Untiefen des menschlichen Wesens destabilisiert zu werden. Arbeiten und Organisieren mit Seele bedeutet wahrzunehmen, was in der Tiefe wirkt und nicht so zu tun, als würde unter der glatten Oberfläche geschäftlicher Kommunikation nichts weiter existieren.

Damit wären die Ziele formuliert, um die es beim ersten Kongress »Soul Management« ging, der vom 3. bis 6. Mai 2001 in Seefeld stattfand und der vom CoreDynamik-Institut Freiburg/Bremen organisiert wurde. 26 Referenten aus Training, Therapie, Kunst und Change Management stellten ihre Ideen, Methoden und Erfahrungen vor. Unter anderem waren es Dr. Bernhard Mack, Rutger von Bothmer, Antje Breithaupt und Dr. Helmut Volk- von Bialy. Die Themen reichten von Ganzheitlicher Führung über Komplexitätsstrategien und spirituelle Intelligenz bis hin zu Wertorientierung im Management. Derartige Kongresse stoßen seit Jahren in den USA und England auf überwältigende Resonanz. Das CoreDynamik-Institut und sein Gründer Dr. Bernhard Mack haben es sich zur Aufgabe gemacht, im deutschsprachigen Raum die Vorreiterrolle zu übernehmen, um so zu einer neuen Kultur in der Organisationsentwicklung beizutragen.

Beschleunigte Entwicklung, neue Herausforderungen

Laut Dr. Helmut Volk-von Bialy, einem der Referenten, gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die besagen, dass wir in den nächsten zwanzig Jahren eine schnelle dynamische Entwicklung sowohl innerer Prozesse als auch äußerer Geschehnisse durchlaufen werden. Das bedeutet, dass sich die Entwicklung neuer Technologien oder die Vernetzung immer mehr beschleunigen und gleichzeitig eine Bewusstseinserweiterung in immer neuere Dimensionen erfolgt. Es ist also nötig, höchst komplexe Zusammenhänge und Bewusstseinsebenen gleichzeitig zu erfahren.

Eine der Methoden, die sich genau dies zum Ziel gemacht haben, ist die von Dr. Bernhard Mack in den achtziger Jahren entwickelte CoreDynamik. Sie integriert Ansätze verschiedener therapeutischer Richtungen: Gestalttherapie, Integrative Therapie, Transaktionsanalyse, NLP, Musiktherapie, Psychodrama, Rollenspielpädagogik, Organisationsentwicklung, Körper und Bewegungsarbeit und transpersonale Psychologie. Das CoreDynamik-Institut baut seit Jahren ein Netzwerk von Menschen auf, die den Weg der Seele gehen und so ein neues professionelles Selbstverständnis als Trainer, Therapeuten und Coaches verwirklichen.

Sechs Ebenen des Seins

Eines der wesentlichen Konzepte der CoreDynamic ist das Modell der sechs Tiefungsebenen. Es ermöglicht das Wahrnehmen mehrerer Bewusstseinsebenen gleichzeitig und die Arbeit auf ebenso vielen Seinsebenen. Dahinter steht die Erkenntnis, dass der Verstand allein die komplexen Informationen, die in der modernen Gesellschaft auf uns einströmen, nicht mehr verarbeiten kann. Eine Öffnung gegenüber der Intuition als einer zweiten Instanz, die bei der Orientierung hilft, ist daher notwendig. Die Tiefungsebenen bauen auf der entwicklungspsychologischen Stufenlehre von Piaget, Aurobindo und Wilber auf, die von Bernhard Mack erweitert wurde. Sie bieten ein therapeutisch-didaktisches Modell mit konkreten Lern- und Handlungsschritten.

Der Workshop »Bogenschießen« wurde geleitet von Hartwig Hinney und Toni Rolfels-Moos

Die sechs Tiefungsehenen sind:

I: Verstehen und Kommunikation

II: Bilder und Gefühle

III: Biografische Gewordenheit

IV: Körperebene

V: Raumdimension als Grundlage von Präsenz und Intuition

VI: Wesen oder Kernraum (Coreerfahrung)

In der Tiefungsehene I geht es um das Verstehen, die Rollen, Muster und die eigene Kontaktfähigkeit. »Jeder Kontakt, jedes Training, jeder Weg in die außergewöhnlichen Bewusstseinszustände beginnt mit dem Phänomen des Kontaktes im Hier und Jetzt. Was sehe ich, was spüre ich hier in diesem Körper?" (Dr. Bernhard Mack). In dieser Augenblickspräsenz liegt auch das Geheimnis des »Mythos Charisma«. Wir denken normalerweise, dies sei ein Phänomen, was man entweder hat oder nicht hat. Dabei ist es durchaus erlernbar. Charisma entwickelt sich durch Aufmerksamkeit, durch eine klare Wahrnehmungsfähigkeit. Die Schlüsselkompetenz positiver, charismatischer Menschen ist die »JetztFähigkeit«. Die Kraft, die daraus entsteht, strahlt der Charismatiker auf andere aus. Um diese »Jetzt-Fähigkeit« zu erreichen, "benötige ich den Kontakt zu meinen Wurzeln, dem Boden und meinen Ahnen" (Mack).

Was ist Charisma?

Hergestellt werden kann dieser Kontakt durch Visualisierung und Atmung. Über Bodenkontakt, Atmung und Stimme wird die Wachheit in den Raum geöffnet und das eigene Energiefeld ausgedehnt. Die Konferenzteilnehmer nahmen hierzu in ihrer Vorstellung Kontakt mit ihren Vorbildern (Ahnen, Mutter/Vater, Krafttier) auf, die sie stützend hinter sich spüren sollten. Sie versuchten in den Raum zu strahlen und andere über die Augen zu erreichen. Diese Übungen müssen regelmäßig trainiert werden, um auf charismatische Weise Wärme, Sicherheit und Corekontakt auszustrahlen. Charisma bedeutet nichts anderes als die Ausstrahlung einer geistigen Dimension.

Auf der Tiefungsebene II lernt man die Landkarte seiner eigenen Bilder und Gefühle kennen. Das vollständige Hineingehen in die Gefühle ist ein wichtiger Schritt, um deren Tiefe auszuloten. In der CoreDynamic werden klare Wege hin zu den Gefühlen und auch wieder zurück zum Verstehen aufgezeigt. Auch das Annehmen der sogenannten dunklen Seiten, des Schattens, gehört in diesen Themenbereich.

Lachen befreit

Als eine Form, mit dieser Ebene zu arbeiten, stellte Jeanette von Bialy aus Hamburg auf dem Kongress ihre Gestaltmethode »Walking Hot Seat« vor. Diese sehr humorvolle und stark von der Intuition der Trainerin abhängige Methodik lehnt sich an F. Perls berühmten »Heißen Stuhl« an. Die Auseinandersetzung und die Konfrontation mit sich selbst erfolgen im Gehen. Die Teilnehmer begaben sich in die Mitte des Stuhlkreises und suchten im Gehen nach ihrem Thema. Die Bewegung befreite den Kopf und setzte die Emotionen frei. In kurzer Zeit entstand eine sehr dichte Atmosphäre, in der sich überraschend viele in den Open Space - die Mitte der Gruppe - wagten. Der Humor der Trainerin und das befreiende Lachen aller Beteiligten nahm diesem Prozess die Dramatik sonstiger therapeutischer Prozesse. Jede Person im Open Space ging ein Risiko ein und probierte Handlungen und Emotionen aus, die ihr sonst fremd waren oder sie sogar erschreckten.

Dies geschah dann noch viel direkter beim Unternehmenstheater LifeAct aus Bremen. Ein klassisches Körpertraining aus der Freien Tanz- und Theaterszene lockerte die anfänglich doch recht verkrampfte Truppe von Managementtrainern rasch auf. An Hand von Bewegungsmustern, Verkleidungen und verstellten Stimmen fühlten sie sich unter der Anleitung von Rutger von Bothmer und Hartwig Hinney spielerisch in fremde Persönlichkeiten ein. Feedback einer Teilnehmerin: "Ich habe viel gelacht und mir einige Stunden Supervision erspart."

 


Die spirituelle Richtung innerhalb der modernen Organisationsentwicklung zielt auf die nahezu unbegrenzte Entfaltungsmöglichkeit des Menschen


Ich-Strukturen auflösen

Tiefungsebene III ist dann die BiografieArbeit. Nachdem Kontakt, Verstehen und Gefühle erfahren und in einen Entwicklungsprozess integriert wurden, wird nun der eigene Lebenskontext betrachtet. Alte, unahgeschlossene Lebensszenen sollen durchgearbeitet, überkommene Gefühle und Bilder losgelassen werden, um ganz im Jetzt anzukommen. Die Erfahrung, mich als handlungsfähig zu begreifen, auch wenn meine individuelle Vergangenheit mir viele Erschn'er-nisse mit auf den Weg gegeben hat, ist. befreiend und heilend zugleich; sagte einer der Teilnehmer.

Die Tiefungsebene IV, deren Thema der Körper ist, birgt noch mehr unerschlossene Energiepotentiale. Verschiedene Arten von Energie wie körperliche Energie, Bio-Energie, feinstoffliche Energie können schrittweise durch Bewegung, Klang und Atmung erfahren werden. Die Arbeit mit der Stimme, mit dem Medium Ton-Erde oder mit dem Lachen löst tiefe Empfindungen aus und kann in eine große Stille hineinführen. Ich-Strukturen sollen aufgelöst werden, um zu tieferen Schichten unseres Seins zu gelangen.

Auch die körperlich-soziale Verbundenheit in Paar- und Gruppenbeziehungen - der soziale Körper - wird auf dieser Tiefungsebene erfahrbar gemacht. Hierzu bot der Kongress unter dem Titel «Die Magie des Platzes« eine neuartige Verbindung von Bert Hellingers Familienaufstellung und der Raumarbeit der CoreDynamik an. Die Teilnehmer erlebten eine vertiefte Form der Raumerfahrung. Die Bedeutung ihrer Stellung innerhalb der Familie und anderer Systeme (z.B. Team, Kollegenkreis) wurde ihnen bewusster.

»Schamanen« mit Schlips und Kragen

Die Tiefungsebene V heißt Raumdimension, Präsenz und Intuition. Auf den Stufen V und VI werden zunehmend hohe Energien erfahrbar. Diese müssen von unserem Körper »gehalten« werden können. Eine solche Fähigkeit lässt sich über Raumwahrnehmung schulen:

Außenraum und Innenraum, was ist oben, was unten, vome, hinten. Im nächsten Schritt wird die Raumöffnung erarbeitet: kein Ich, keine Persönlichkeit, sondern offener Raum, Präsenz, Anwesenheit. Unmittelbares Gewahrsein — ohne dazwischen tretende Filter, Konzepte oder Gedanken - führt zum Wahrnehmen intuitiver Bilder und zur Erfahrung von Gleichzeitigkeit.

Unter dem Titel "Die Rückkehr des Schamanen« sowie »Zusatzknochen« wurden Wege angeboten, die weltanschaulichen Grundlagen traditioneller Schamanenkulturen in ein Modell von Wachstum und Heilung zu integrieren. Im Wesentlichen ging es darum, andere Bewusstseinsräume zu betreten — Stammesräume oder kollektive Räume -, um sich mit der Quelle eines unerschöpflichen Wissens zu verbinden. »In dem Moment, in dem du die Vielschichtigkeit wahrnimmst, geschieht Heilung, und die andere Welt gibt dir die Informationen, die du brauchst'.

 

Zu einem Höhepunkt des Kongresses wurde die dreistündige »Atem-Trance-Reise«. Diese Selbsterfahrungsmethode, die Elemente des holotropen Atmens, schamanische Trance-Arbeit, rhythmische Körperbewegungen und den Einsatz der Stimme miteinander verbindet, dient der Öffnung der inneren Potentiale und der Intuition. Es handelt sich dabei um ein Jahrtausende altes schamanisches Ritual, mit dessen Hilfe wir unter geschützten und kontrollierten Bedingungen in Trancezustände gelangen und mit unserer Intuition und unserem Innersten Kontakt aufnehmen können. Die achtzig Teilnehmer teilten sich in Paare und dann in Vierer-Gruppen auf. Jede/r formulierte zuvor eine Frage, und alle nahmen Kontakt mit der Erde auf. Die Live-Musik der Gruppe TranceZen-Dance, bestehend aus Dr. Bernhard Mack, Karin und Volkmar Dittmer sowie dem Flötisten Jürg Zurmühle, inspirierte und untermalte die Körperbewegungen. Während dieser dreistündigen Atemreise wurden eine Menge innerer Blockaden durchbrochen, und jeder konnte Antworten finden, die außerhalb der bewussten Wahrnehmung liegen.

»Core« - die Tiefe unseres Seins

Tiefungsebene VI beschäftigt sich mit dem sogenannten Core - ein moderner Begriff für die Seele, die Mitte oder das Wesen. Bernhard Mack erklärt dazu: »Das Sprechen über Core ist bei mir oft mit einer Scheu, Vorsicht oder auch Scham verbunden, denn das Herantasten an diesen beiligen Bezirk ist für mich so groß und ungeheuerlich, dass ich mich im Kontext dieses Themas oft sehr klein und groß zugleich fühle. Dies ist der Raum, in dem Heilung geschieht. Darum beschäftigen wir uns damit. Meine Erfahrung ist, dass in diesem Core-Bereich dann Heilung geschiebt, wenn wir diesen Innenraum auf sichere Weise betreten und auch wieder sicher und mit Verstehen zurückkommen.'

Jeder Mensch, der sich verantwortungsvoll und bewusst diesem Bereich nähert, wird schweigsam und ehrfurchtsvoll vor der gemachten Erfahrung stehen. Verständlich, dass ein nur viertägiger Kongress nur wenig davon vermitteln konnte. Eine Ahnung schwang jedoch in allen Referaten und Workshops zu diesem Gegenstand mit.

Der CoreDynamik, die diese sechs Tief fungsebenen zu einem didaktischen Modell zusammengefügt hat, ist es zu danken, dass die Erfahrungen des Core mittlerweile in zahlreiche Praxisfelder eingeführt worden ist. Die spirituelle Richtung innerhalb der modernen Organisationsentwicklung zielt auf die nahezu unbegrenzte Entfaltungsmöglichkeit des Menschen. Damit verbunden sind einerseits wirtschaftlicher Erfolg, andererseits aber vor allem die Nachhaltigkeit der Produktion sowie Zufriedenheit und Sinn im Leben der daran beteiligten Menschen. •

Bücher von Bernhard Mack:

• CoreDynomik - Wege zum Kern, Junfermann Verlag

• Rituole alltäglichen Glücks - Wege zu erfüllten Liebesbeziehungen, Junfermann Verlag

• Kontakt, Intuition, Kreativität - Vom Umgang wachsender Komplexität in Management und Alltagsleben, Junfermonn Verlag

• Führungsfaktor Menschenkenntnis, mi-Verlog

• Der Liebe einen Sinn geben, Simon & Leutner

Jenny Karpawitz und Udo Berenbrinker leben als Schauspieler, Clowns, Regisseure und freie Autoren in Allensbach am Bodensee. Sie sind derzeit mit verschiedenen Theaterproduktionen (www.albatrostheater.de) in ganz €pa unterwegs. Jenny Karpawitz ist Yoga-Lehrerin, entwickelt neue Schauspielmethoden zur Integration der Transpersonalen Dimension, schreibt Theaterstücke und leitet das Forschungsprojekt »Die heilende Kraft der Darstellenden Kunst« im Tamala-Center for Performing Arts in Radoifzell. Udo Berenbrinker schreibt für verschiedene Wochen- und Monatszeitungen und bildet seit zwanzig Jahren Clowns und Schauspieler für Theater, Strosse und Kliniken aus. Zur Zeit entwickeln beide Performances und ein Humortrainingfür Kuren und Betriebe.






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