Intuition (lat. intueri „betrachten"): spontanes geistiges Erfassen; eine auf Wissen und Erfahrung beruhende plötzliche Erkenntnis oder Eingebung erfahren.
Bernhard Mack ist Coach, Trainer und Psychotherapeut. Er entwickelte eine körperorientierte Methode zur Intuitionsförderung, die CoreDynamik. Der in Bollschweil bei Freiburg lebende Autor bietet €paweit Ausbildungen sowie Intuitions- und Komplexitätstrainings an. Seit zwanzig Jahren forscht er zum Thema Intuition und Kreativität.
Karin Breyer informierte sich bei dem Intuitionsspezialisten aus erster Hand.
Herr Mack, sind wir von Natur aus intuitiv, oder müssen wir unsere Intuition erst entwickeln?
Grundsätzlich hat jeder Mensch die notwendigen Anlagen für Intuition, d.h. die Fähigkeit, nicht-sinnliche Informationen oder außersinnliche Wahrnehmungen zu empfangen oder Zukünftiges oder Vergangenes zu erahnen. Da die Fähigkeit, an den „Großen Informationspool" anzudocken, bei den meisten Menschen jedoch verschüttet ist, müssen die Empfangskanäle für diese so wichtigen Informationen oft ers wieder geöffnet werden.
Wie lässt sich das schulen?
.Da gibt es eine große Reine von Möglichkeiten. Der von mir bevorzugte Weg geht über die Schulung von einfachen Wahrnehmungen, also die Schulung der Sinne, der Gefühle und des Körpers als Empfangskanal, zur Schulung der Einordnungsfähigkeit von Erlebtem über verschiedene Tiefenstufen der Trance bis hin zur Tiefenatmung. Rhythmische Pulsationen, Wiederholungen, Musik, Bewegungen und Haltungen spielen ebenso eine Rolle wie die Stabilität der Ich-Identität der Beteiligten sowie das soziale Netz, in der die Intuitionsöffnung - meist in Ritualen - geschieht. Wenn die Intuitionskanäle erst einmal geöffnet sind, genügen kleinste Bewegungen, Gesten, Worte oder innere Bilder, um diesen „Ressource-State" zu aktivieren.
Und wie können wir Intuition von Täuschungen und Projektionen unterscheiden?
Das ist wie bei einer Handwerkerausbildung: kleinschrittige und lange Feinarbeit, ständiges Prüfen und erneutes Prüfen. Nur durch kritisches, empirisches Untersuchen können wir intuitive Botschaften als solche erkennen.
Was verhindert Intuition?
Wenn wir zu sehr in Vorstellungen, Ideen, festgefahrenen Gedanken und Konzepten leben und denken. Oder wenn wir unseren Körper verpanzern, unsere Bewegung einschränken, uns mit Reizen überfluten und Gefühle wegdrängen. In all diesen Fällen neigen wir zur Wiederholung der alten Muster und verschließen unsere zahlreichen Öffnungen für den Raum, in dem wir über zahlreiche Wege verfügen, den man Erkenntnis oder Glücklichsein nennen könnte. Stille, Pausen, Reizreduzierung, die Beobachtung der Bewegungen unseres Geistes und die wirkliche Bereitschaft, auf „Empfang" zu schalten, öffnen Wege zu intuitiven Erfahrungen, die unser Leben reicher werden lassen.
Es heißt, Frauen seien mit einer besseren Intuition ausgestattet als Männer. Stimmt das?
Im Allgemeinen ist es tatsächlich für eine Frau einfacher, in ihrem Körper zu sein und Körperempfindungen wahrzunehmen.
Frauen sind meistens dichter dran an dem, was wir das „Große Sein" nennen. Sie sind auch meistens weniger blockiert durch eine strenge Konzeptschulung ihres Verstandes und von dort her offener für die intuitiven Informationen, die uns alle umgeben, und die uns geschenkt werden, wenn wir loslassen und uns ganz auf die Wirklichkeit des Jetzt einlassen. Grundsätzlich haben Männer und Frauen aber die gleichen Kapazitäten. Die Tore zur Intuition lassen sich bei Frauen jedoch meistens leichter öffnen.
Wie kommt es, dass Sie Ihr Intuitionstraining auch in Managementkursen und Führungskräfteseminaren anbieten? Werden solche verrückten Dinge denn gewünscht?
Der wirklich intelligente Manager weiß heute, dass er ohne intuitives Wissen die komplexen Anforderungen modernen Managements nicht mehr bewältigen kann. Mit dem traditionellen logischen Denken kommt er immer zu spät. Deswegen beauftragen uns Firmen, mit ihren Führungskräften Intuitionstrainings durchzuführen.
Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Mack.